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Das Jahr 2019: Ankommen & Zurückblicken

Ich bemerke Anspannungen meistens erst, wenn ich wieder in der Entspannungsphase bin. Auch in diesem Jahr hatte ich ein intensives Tagesgeschäft. Mittlerweile verordne ich mir aber regelmäßig ein freies Wochenende oder zumindest einen freien Tag pro Woche. In diesem Jahr bin ich wieder vermehrt gewandert und habe dabei die zurückliegenden Jahre und Ereignisse Revue passieren lassen: Es ist so viel passiert! Alles hat sich verändert, äußerlich wie innerlich.

 

Im November 2018 habe ich den - sage und schreibe - 12. Umzug innerhalb von 16 Jahren in sieben verschiedenen Städten hinter mich gebracht (und nein, ich möchte nie wieder umziehen). Auch für das Büro habe ich ab Anfang 2019 sehr schöne neue Räumlichkeiten gefunden, in denen ich mich rundum wohl fühle. Aufgrund der DSGVO habe ich Anfang Januar 2019 auch meine geliebte alte - aber leider nicht zu 100 % sichere - Website auf einen komplett neuen Server umgezogen und aufgebaut. Aufgrund der beiden heißen Sommer - und einem zu warmen Lagerraum - musste ich mein Beratungsstickerblöcke-Lager jedoch auflösen und habe die Blöckchen aus dem Shop genommen. Die Blöckchen sind bei Zimmertemperatur sehr gut lagerfähig, jedoch nicht, wenn es zu heiß wird, da dies den speziellen Kleber etwas beeinflussen kann. Im Lager herrschten teilweise tropische Temperaturen zwischen 35° C - 40° C.

 

Nach dem ganzen offiziellen "Immobilien-, Programmier- und Papierkram" (und meiner im Januar bestandenen Yogalehrerprüfung) konnte ich ab dem Frühjahr 2019 durchatmen, ankommen, neu planen und einen schönen Alltagsschwung etablieren. Daueraufträge und Stammkunden haben mich erneut durch das gesamte Jahr getragen. Das Jahr tat insgesamt sehr gut und ich danke allen Kunden von Herzen für die schöne Zusammenarbeit.

 

Sehr wesentlich trägt seit 2018 auch Pepper - meine junge Großpudel-Bürohündin - zu meinem Arbeitsalltag bei. Während ich stundenlang tippe, liegt sie lieb zusammengerollt neben mir und verströmt tiefste Lässigkeit. Mittags geht sie mit mir Gassi und führt mich auf urige Pfade durch den Westerwald. Dabei wird mein Körper mit frischer Luft und mein Hirn mit neuen Ideen geflutet. Ich hätte nie gedacht, dass ein Hund solch eine wohltuende Wirkung haben kann. Dieses kleine Alltagsglück sehe ich als großen Reichtum an. Dazu möchte ich kurz erwähnen, dass ich früher panische Angst vor Hunden hatten. Aber die Überwindung dieser Angst ist eine andere, längere Geschichte.

 

Als wir letztes Jahr noch in der alten Fabrik in Koblenz wohnten (nebenan war auch mein Büro) nahmen wir Anfang August 2018 Pepper zu uns. Mein erster eigener Hund! Zum ersten Mal in meinem Leben kaufte ich mir jedoch keine Bücher über dieses für mich absolut neu zu erschließende Wissensgebiet "Hunde". Ich hatte fest eingeplant, in einer Hundeschule alle wichtigen Lektionen beigebracht zu bekommen und wollte einfach nur mal Konsumentin zu sein. Sollte ich auf Geschäftsreise sein und mein Mann am gleichen Tag arbeiten (Schichtdienst), so planten wir, Pepper in die Hundepension eines Bekannten zu geben, der als liebevoller Hundeflüsterer bekannt ist. Alles war feinsäuberlichst geplant.

 

Die ersten beiden Wochen mit der kleinen Pepper waren auch sehr knuffig. Dann folgte der Schock: Diagnose Giardien- und Kokzidieninfektion. Giardien sind nicht nur für Hunde sondern auch für Menschen ansteckend. Mit dieser Diagnose war natürlich weder der Besuch einer Hundeschule noch die Nutzung der Hundepension erlaubt. Wir waren isoliert. Der blutig-schleimige Giardien-Durchfall kam plötzlich und schubweise. Zum Glück arbeite ich selbständig und konnte mich nebenher um Pepper kümmern.

 

Selbst mit Medikamenten ist es schwer, Giardien zuverlässig zu behandeln. Die Parasiten "verstecken" sich im Darm. Die Infektion kann bei Welpen bis zu einem Jahr andauern. In der sengenden Sommerhitze von 2018 trugen wir unseren eigentlich stubenreinen 15-Wochen alten Welpen alle 20 Minuten fünf Stockwerke runter und wieder hoch. Unsere Pepper war ein schwaches Häuflein Elend. Wir wechselten uns beim Tragen und Betreuen ab und schauten nur nach vorne: Unser Umzug war für Mitte November 2018 geplant, wo uns ein eigener Garten erwartete. Zudem wartete dort unsere neue Nachbarin: Eine Tierärztin mit eigener Praxis!

 

Wir bestellten zig Hundeerziehungs-Bücher, um uns und Pepper in dieser zeitgleich stattfindenden Prägungsphase also doch selber auszubilden. Zudem lasen wir uns viel Wissen über die Giardien-Behandlung, Darmgesundheit- und sanierung an. Automatisch erhält man dadurch auch ein profundes Wissen über die menschliche Darmgesundheit - ein hochinteressantes Gebiet. Und so begab es sich, dass Pepper nach einer strikten Darmsanierung nach "nur" vier Monaten und pünktlich zum Umzug gesund wurde. Wir zogen daher Mitte November mit einem kerngesunden Pudel neben unserer neuen Tierärztin ein. Pepper geht es heute sehr gut. Sie hört auf uns (meistens ;-) ) und ist ein lieber, ausgeglichener und vor Kraft strotzender Hund geworden.

 

Und warum erzähle ich das alles? Weil alles anders kommt, als man denkt? Ja! Weil man immer genug Energiereserven und den längeren Atem haben sollte? Ja! Weil man ständig improvisieren können sollte? Ja! Aber in erster Linie weil ich während der Recherchen nicht nur sehr viel über die Darmgesundheit gelernt habe, sondern auch über alte Hausmittel, wie die Moro'sche Karottensuppe. Diese simple Karottensuppe ist eine meiner Motivationen, in den sozialen Netzwerken noch mehr Reichweite aufzubauen und solch ein Beratungswissen weiterzutragen. Denn - und so schließt sich der Kreis - diese simple Suppe könnte dazu beitragen, dass weniger Antibiotika eingesetzt werden. Welch ein Fund!

 

Nun kommen wir aber wieder zurück zu dem eigentlichen Jahresrückblick für 2019. Nach all dem Aufruhr durch Wohnortwechsel, Hundekrankheit und Co habe ich dieses Jahr sehr viel über meine ursprüngliche Business-Planung vor der Gründung geschmunzelt. Meine Vorstellung war, dass, wenn ich erstmal selbständig bin, nur noch eine maximal vier Tage pro Woche arbeiten werde. Aber Pustekuchen, die Gründungsjahre in Köln waren zu schön und intensiv, so dass ich gefühlt 24/7 mit anderen Gründern im Coworking Space verbracht habe und am Geflüster getüftelt habe. Selbstverständlich lag auch nachts stets ein Notizheft auf meinem Nachtisch bereit, das ich mit Ideen und to do's randvoll schrieb. Eine herrliche Zeit!

 

In den Folgejahren habe ich die Abläufe weiter organisiert, einige Aufgaben an Dienstleister ausgelagert und hatte stetes Tagesgeschäft, insbesondere als Autorin. Seit diesem Jahr unterstützte ich die Apotheker ohne Grenzen (AoG) mit jedem Beratungssticker-Block der gekauft wird. Es war mir ein jahrelanges Anliegen, zusätzlich ein soziales Projekt zu unterstützen, denn nicht allen Menschen geht es so gut wie uns hier in Deutschland. Mir wurde auch wieder bewusster, dass Apothekengeflüster zur Nachhaltigkeit beiträgt, da ein korrekter Umgang mit Arzneimitteln gefördert, und durch eine bessere Therapietreue unnötiger Arzneimittelmüll vermieden wird. Es wäre schön, wenn uns weltweit eine gesunde Umwelt erhalten bliebe, aber danach sieht es derzeit leider nicht aus. Bitte Menschheit, sei kreativ.

 

Ich feierte in den letzten Jahren viele Fortschritte, jubele dankbar bis heute über neue Kunden und positive Rückmeldungen, vermehre wertvolles Praxiswissen in den wesentlichen unternehmerischen Bereichen und darf bis heute erleben, wie Geschäftskontakte zu tiefen und mittlerweile jahrelangen Freundschaften wurden. Ich musste aber auch Existenzängste, Rückschläge und sogar einen Shitstorm verdauen. Ingesamt lässt sich sagen, dass ich durch meine Selbständigkeit ein völlig anders denkender Mensch geworden bin. Unternehmerisches Wissen ist gut, es verleiht ein Freiheitsgefühl.

 

Wenn ich durch die Stadt gehe, schaue ich auf jedes Geschäft, auf jeden Marktstand, auf jeden Verein, auf jedes Hotel, auf jeden Künstler, auf jede Apotheke und die Menschen die dahinter stecken. Die Menschen, die tagtäglich im Kollektiv großartige Dinge zustande bringen. Die die Stadt zum Leben und Leuchten bringen. Ich stelle mir als Betriebswirtin die Konzepte und Zahlen dieser Geschäfte vor, ich spüre mich als Texterin in die Unternehmenskommunikation hinein und bewundere als Grafikdesignerin gelungene Designs. Ich frage mich als PTA, ob es den Menschen gesundheitlich gut geht. Ich sehe als Yogalehrerin die Berufungen und Visionen, die hinter den gewählten Lebenswegen stecken könnten. Ich schätze jedes unternehmerische Handeln sehr hoch und habe großen Respekt vor Menschen, die in dieser komplexen Welt fokussiert an ihren Träumen arbeiten oder sich selbstlos für andere aufopfern.

 

In 2019 habe ich mich auch sehr bewusst daran erinnert, was mich als Jugendliche dazu bewogen hat, PTA zu werden und was ich an Apotheken besonders mag. Mein Beweggrund zur Berufswahl waren ohne Zweifel meine Bücher über die Naturheilkunde. Um wieder intensiver in die Welt der Heilpflanzen einzutauchen, habe ich meine alten Bücher hervorgeholt und neue Bücher zugelegt. Das Kloster in Maria Laach ist diesbezüglich zu einer großen Inspirationsquelle und zum Kraftort geworden. Die dort lebenden Mönche finanzieren mit ihren diversen Unternehmen das gesamte Kloster, denn es erhält keine Mittel von der Kirche. Die angeschlossene Klostergärtnerei ist ein wunderschönes Kleinod mit vielen Heilpflanzen. Mich fasziniert das Gesamtkonzept aus Spiritualität, klarem Intellekt, uralten Ritualen und einer sehr guten unternehmerischen Umsetzung. Mehr als 40 "heilige" Heilpflanzen, Sträucher und Bäumchen aus der Klostergärtnerei haben wir (insbesondere mein Mann) in 2019 in unseren Garten gepflanzt. Es ist mein erster Garten. Wir versuchen, dem Insektensterben mit Wildblumenwiesen entgegenzutreten. Die noch kleinen Bäume sollen mithelfen, den Klimawandel aufzuhalten. (Und uns nebenher mit leckeren Früchten versorgen) Aber all dies mag vielleicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

 

Im Oktober 2019 lernte ich bei einem Räucherworkshop im nahegelegenen wunderschönen Hotel Heinz, wie Heilpflanzen getrocknet und als Räucherwerk angewendet werden können. Interessant! So wie es unsere Vorfahren schon praktizierten, werde auch ich in den Rauhnächten das Haus und Büro ausräuchern. Ebenfalls fing ich im Oktober 2019 an, nicht nur einzelne Yogastunden zu geben, sondern meinen ersten richtigen Yogakurs zu unterrichten. Ein wenig erinnert mich das Yoga-Unterrichten an die Arbeit in der Apotheke. Es sind Hilfestellungen in einer anderen Art und Weise. Meine neuentdeckten Kräuterfrau-Ambitionen und das Unterrichten von Yoga werde ich in 2020 vertiefen. Zudem werde ich zum ersten Mal fasten und auf dem Jakosbweg pilgern.

 

Beruflich kribbelt es mir in den Händen, einige Ideen aus meinen damaligen Notizbüchlein und meine neuen strategischen Überlegungen und Änderungen umzusetzen. Oder kommt doch etwas ganz anderes auf mich zu? Nach einem Jahr des Ankommens, Entschleunigens und Rückbesinnens blicke ich gespannt und offen auf das neue Jahr 2020.

 

Wie in den letzten Jahren, werde ich einen Schritt vor den nächsten setzen, dann legt sich einem der Weg bekanntlich unter die Füße. Ich bin gespannt wen ich in 2020 auf meinem Weg treffen werde. Denn Begegnungen sind doch letztendlich das, wofür man lebt.

 

Und nun die Fragen an Sie:

  • Was hat Sie in 2019 glücklich gemacht?
  • Wer war Ihnen ein wohlwollender Wegbegleiter?
  • Was haben Sie geschafft?
  • Wovon wünschen Sie sich mehr in Ihrem Leben? 

Bleiben Sie gesund und munter in diesem leisen und lauten, schnellen und langsamen Abenteuer namens Leben.

 

Viele Grüße,

Kerstin Schmücker

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