Warum sind Beratungssticker sinnvoll?

Beratungssticker helfen Patienten dabei, ihre Arzneimittel korrekt einnehmen. Denn nur wenn ein Arzneimittel korrekt eingenommen wird, kann es seine volle Wirkung entfalten.

 

Das Problem: Viele Patienten wenden Ihre Arzneimittel nicht korrekt an. Teilweise wissen sie nicht, wie sie ihr Arzneimittel korrekt anwenden sollen, oder sie halten sich aus anderen Gründen nicht an die Einnahmeempfehlung ihres Arztes oder Apothekers.

 

Diese sogenannte Non-Compliance (mangelnde Therapietreue) hat weitreichende gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen. Auch die Umwelt wird durch unnötige Ressourcenverschwendung und Arzneimittelmüll belastet.

 

Die Beratungssticker vereinfachen die Arzneimittelanwendung. Sie werden auf das Arzneimittel aufgeklebt und bei jeder Arzneimitteleinnahme automatisch gelesen. Die Beratungssticker bringen die wesentlichen Anwendungshinweise in einfacher Patientensprache auf den Punkt und erinnern den Patienten bei jeder Einnahme. Aus der Informationsflut wird eine kompetente und sympathische Beratung. Der Patient sieht und spürt die wohlwollende Beratungsleistung der Apotheke. Beratungssticker sind der verlängerte Arm des Apothekers.

 

Übrigens: Individuelle Patienteninformationen werden in den Beratungsleitlinien (OTC & Rx) der Bundesapothekerkammer empfohlen.

 

Nachfolgend finden Sie Fakten rund um das Thema Non-Compliance (mangelnde Therapietreue):

Jährliche ökonomische Verluste durch Non-Compliance in Deutschland:

  • Non-Compliance verursacht ca. 12,9 Millarden Euro Verluste.
  • Fehlmedikation verursacht ca. 1,8 Millarden Euro Verluste.
  • Unsachgemäß eingesetzte Antibiotika, bzw. zu später Therapiebeginn verursachen ca. 1,6 Milllarden Euro Verluste.
  • Schwierigkeiten bei Generika verursachen ca. 0,3 Millarden Euro Verluste.
  • Diese Verluste belasten das Gesundheitssystem stark und verursachen zudem enorme volkswirtschaftliche Verluste aufgrund von: Wirkungsverlusten, häufigen Arztbesuchen, längeren Behandlungszeiten, Krankenhausaufenthalten sowie Produktivitätsverlust. (7, 8) 

Zum Vergleich werfen wir einen Blick auf bekannte Schlagzeilen:

  • In 2014 geschätzte Baukosten für die Hamburger Elbphilharmonie: insgesamt ca. 789 Millionen Euro. (15)
  • In 2014 geschätzte Baukosten für den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER): insgesamt ca. 5,4 Milliarden Euro. (14) 

Wie viele Patienten sind nicht therapietreu (noncompliant)?

  • Insgesamt sind zwischen 12 und 35 Prozent aller Patienten noncompliant.(3)
  • Bei Chronikern wurden Compliance-Raten von lediglich 40 und 50 Prozent ermittelt.(4)
  • Somit ist mehr als die Hälfte der Chroniker noncompliant. 

Wie entwickelt sich die Compliance-Rate mit der Medikamentenanzahl?

  • Bei einer Dosis pro Tag sind 80 – 90 % der Patienten compliant.
  • Bei täglich vier oder mehr Arzneimitteln sind nur noch 25% compliant. (12)

Welche Formen der Non-Compliance gibt es?

  • Intelligente Non-Compliance: Der Patient nimmt das Arzneimittel zunächst gemäß Therapieschema und setzt es dann, beispielsweise nach einer unerwünschten Arzneimittelwirkung, bewusst vorzeitig ab.
  • Erratische/zufällige Non-Compliance: Über den gesamten Einnahmezeitraum lässt der Patient zufällig ohne erkennbares Muster Einnahmen aus.
  • Weißkittel-Compliance (auch »Zahnputzeffekt«): In der Anfangsphase der Therapie nimmt der Patient das Arzneimittel unregelmäßig ein. Einige Tage vor einem Arztbesuch verhält sich der Patient dann korrekt
  • Parkplatzeffekt (auch »Dumping«): Vor einem Arztbesuch vernichtet der Patient die Arzneimittel, die er einnehmen sollte Arzneimittelferien (»Drug-Holidays«): Die Einnahme erfolgt zunächst wie verordnet, wird dann aber für zwei oder mehr Tage ausgesetzt. Nach der Pause nimmt der Patient die Dosen wieder regelmäßig ein. Dies ist häufig am Wochenende oder im Urlaub zu beobachten, denn in diesen Situationen vergessen die Patienten die Einnahme oder haben die Arzneimittel gar nicht dabei. Grund für einen Auslassversuch kann auch eine intelligente Non-Compliance sein, wenn der Patient zum Beispiel keine Symptome mehr verspürt und so den Therapieeffekt bewusst prüft (9)

 

Welche Mittel zur Stärkung der Compliance können angewandt werden?

  • Edukation: Eine ausführliche Beratung bis hin zur Schulung über die Therapie und die zugrunde liegende Erkrankung kann die Compliance deutlich verbessern, vor allem wenn Weißkittel-Compliance, Parkplatzeffekt oder Arzneimittelferien vermutet werden. Viele Patienten halten sich leichter an ihre Therapie, wenn sie deren Nutzen für ihr persönliches Leben verstehen.
  • Verhaltensbeeinflussung: Hierzu gehört beispielsweise das »Cuedosing«. Darunter versteht man die Verknüpfung der Arzneimitteleinnahme mit täglichen Routinehandlungen, das Anbringen von Erinnerungskarten an markanten Orten oder die Verwendung von Weckern. Auch Erinnerungen durch Verwandte oder Freunde oder spezielle Dosetten können hilfreich sein. Diese Maßnahmen helfen vor allem, wenn Patienten ihre Medikamente einfach vergessen.
  • Monitoring: Eine regelmäßige .berprüfung des Therapieergebnisses kann die Compliance fördern. Beispielsweise können regelmäßiges Blutdruckmessen und die Dokumentation in einem Patiententagebuch den Bluthochdruck-Patienten motivieren, seine Medikation wie verordnet anzuwenden. Darüber hinaus kann auch eine Überwachung/Messung der Compliance selbst eine Verbesserung erzielen.
  • Therapieanpassung: Hierunter versteht man vor allem die Vereinfachung des Therapieregimes, zum Beispiel durch Anwendung von Retard- oder Kombinationspräparaten. (10)

Definition Compliance = Therapietreue:

Übersetzung: Einwilligung, Zustimmung.

 

Das Ausmaß, in dem das Verhalten eines Patienten in Bezug auf Arzneimitteleinnahme, Befolgen eines Ernährungsplans oder Anpassungen der Lebensweise mit den Empfehlungen eines Heilberuflers übereinstimmt.“ (5)

 

  • Ausführungsqualität (Quality of Execution) = Wie exakt hält sich der Patient an das verordnete Dosierungsschema?
  • Persistenz (Persistence) = Zeitraum zwischen der ersten Einnahme und dem Abbruch der fortlaufendne Einnahme eines ärztlich verordneten Regimes durch den Patienten.

Quellen:

1 vgl. http://www.abda.de/fileadmin/assets/ZDF/ZDF_2013/ABDA_ZDF_2013_Brosch.(zuletzt gesehen: 22.09.2014)

2 vgl. IMS Health für Deutschland (2013)

3 vgl. DiMatteo, M. R., Variations in patients adherence to medical

recommendations: a quantitative review of 50 years of research. Med. Care

42 (2004) 200-209.

4 vgl. Partridge, A. H., et al., Adherence to therapy with oral antineoplastic

agents. J. Natl. Cancer Inst. 94 (2002) 652-661.

5 vgl. Adherence to Long-Term Therapies: Evidence for Action. New York WHO 2003.

6 vgl. Mullen, P. D., Compliance becomes concordance. BMJ 314 (1997) 691-692.

7 vgl. Volmer, T., Kielhorn, A., Kosten der Non-Compliance. Gesundh. Ökon.Qual. Manag. 4 (1999) 55-61.

8 vgl. Gräf, M., Die volkswirtschaftlichen Kosten der Non-Compliance: Eine entscheidungsorientierte Analyse. Bayreuth P.C.O.-Verlag 2007.

9 vgl. Reymond, J. P., Lennecke, K., Marty, S., Compliance. In: Jaehde, U., et al. (Hrsg.), Lehrbuch der Klinische

10 http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4148 (zuletzt gesehen: 22.09.2014)

11 http://www.deutsche-apothekerzeitung. de/politik/news/2014/03/05/einsparungen-durch-rabattvertraegewachsen- weiter/12246.html (zuletzt gesehen 24.09.2014)

12 http://news.doccheck.com/de/1237/compliance-nehmen-oder-nichtnehmen/ (zuletzt gesehen am 24.09.2014)

13 http://www.welt.de/politik/ausland/article13654512/137-Millionen-Euro-Strafe-fuer-die-Gasprinzessin.html (zuletzt gesehen am 24.09.2014)

14 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/245914/umfrage/kostendes-flughafens-berlin-brandenburg/ (zuletzt gesehen am 24.09.2014)

15 http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburgmitte/article127708383/Die-Elbphilharmonie-wird-ein-Fall-fuer-die- Justiz.html (zuletzt gesehen: 24.09.2014)